Die Bundesregierung hat im Klimaschutzgesetz verbindliche Treibhausgasemissionsminderungen für den Verkehrssektor festgelegt. Regenerative Kraftstoffe sind perspektivisch unerlässlich, um den Verkehrssektor in Gänze klimaneutral zu gestalten. Denn nicht jede Anwendung im Verkehr lässt sich elektrifizieren oder anderweitig effizient klimaneutral gestalten.

Eine notwendige Voraussetzung zur Erreichung der Klimaschutzziele ist vor allem im Luft- und Schiffsverkehr, aber auch im langlaufenden Straßengüterverkehr das Inverkehrbringen von regenerativen Kraftstoffen. Je nach Einsatzgebiet können fortschrittliche Biokraftstoffe oder strombasierte Kraftstoffe auf Basis von EE-Strom zur Treibhausgasminderung in den entsprechenden Teilbereichen des Verkehrs eingesetzt werden. Diese regenerativen Kraftstoffe sind bis auf wenige Ausnahmen mit vergleichsweise geringen Mengen bisher am Markt nicht etabliert.

Förderkonzept

Das Förderkonzept umfasst mehrere Maßnahmen zur technologieoffenen Unterstützung erneuerbarer Kraftstoffe. Für die Maßnahmen stehen dem BMVI aus dem Energie- und Klimafond (EKF) und aus der Nationalen Wasserstoffstrategie insgesamt rund 1,54 Mrd. Euro im Zeitraum von 2021 bis 2024 an Mitteln zur Verfügung.

  1. Förderung von Entwicklungsvorhaben: 640 Millionen Euro investiert das BMVI hier in anwendungsorientierte Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte sowie für Innovationscluster zu erneuerbaren Kraftstoffen.
  2. Förderung von Anlagen zur Erzeugung und Markthochlauf: Weitere 900 Millionen Euro investiert das BMVI in erneuerbare Kraftstoffe.

Fördermaßnahmen

Sowohl bei fortschrittlichen Biokraftstoffen als auch bei strombasierten Kraftstoffen sind noch Entwicklungsarbeiten in Bezug auf die Gesamtkette, aber auch für einzelne Prozessschritte in größerem Umfang notwendig, damit diese mittelfristig einen hohen Beitrag zur Treibhausgasminderung leisten können. Konkret gibt es noch erheblichen Entwicklungsbedarf für innovative Herstellungsverfahren, um die notwendige technologische Reife für einen Markteintritt und Markthochlauf zu erreichen. Für Prozesse mit höherem technologischem Reifegrad sind noch Optimierungs- und Effizienzpotenziale mit dem Ziel der Kostenreduktion zu heben. Auch Fragen der nachhaltigen Rohstoffbeschaffung sind zu untersuchen. Der Fokus dieser Förderrichtlinie liegt auf anwendungsorientierten Projekten. Die Förderung soll neben Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen auch Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und kommunale Unternehmen, z.B. aus den Bereichen Anlagenbau, Komponentenherstellung (Elektrolyse, Syntheseprozesse) sowie Kraftstoffproduktion und Verwendung bei der (Weiter-) Entwicklung notwendiger Technologielösungen unterstützen.

Die Bundesregierung hat mit dem Klimaschutzplan 2050 für den Verkehrssektor das Ziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen um 42 % im Zeitraum 1990-2030 festgelegt. Erneuerbare Kraftstoffe können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die vorliegende Richtlinie soll daher die Weiterentwicklung von strombasierten Kraftstoffen und fortschrittlichen Biokraftstoffen unterstützen. Über die Reduktion von Treibhausgasemissionen hinaus soll die im Wege der Förderung gesetzten Anreize auch folgenden Zielstellungen adressieren:

  • Beschleunigung des Technologie- und Innovationstransfers, um innovativen Herstellungsverfahren von fortschrittlichen Biokraftstoffen und strombasierten Kraftstoffen voranzubringen,
  • Erreichung der notwendigen technologischen Reife für einen Markteintritt und Markthochlauf,
  • Förderung von Innovationen,
  • Ausbau der bisherigen Technologieführerschaft und zugleich Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland sowie
  • Beschleunigung der Dekarbonisierung im Verkehrsbereich.

Nachhaltig erzeugte, strombasierte Kraftstoffe sind ein essentieller Bestandteil eines umweltfreundlichen Mobilitätssystems. Vor allem in der Luftfahrt wird es auf absehbare Zeit für die meisten Anwendungen keine Alternative zu flüssigen Energieträgern geben. Eine große Herausforderung für den flächendeckenden Einsatz von strombasierten Kraftstoffen (Power-to-Liquid, PtL) ist die Hochskalierung auf eine industrielle Produktion sowie die optimierte Gesamtintegration der einzelnen, für die Produktion benötigten Technologiekomponenten.

Um dies zu adressieren, hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine Studie zur „Konzeptionellen und technischen Ausgestaltung einer Entwicklungsplattform für PtL-Kraftstoffe“ in Auftrag gegeben, welche von der NOW begleitet wurde.

Ein Konsortium aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und der John Brown Voest GmbH (JBV) hat im Rahmen dieser Studie ein Konzept für den Bau und Betrieb einer modularen PtL-Entwicklungsplattform entwickelt. Die zu konzeptionierende Anlage soll sowohl ein Forschungs- als auch ein Demonstrationsmodul umfassen, um neuartige Technologiekomponenten in integrierter Weise entlang des PtL-Herstellungsprozesses zu erproben.

Das BMVI strebt noch in dieser Legislaturperiode einen offenen Förderaufruf zum Bau und Betrieb der PtL-Entwicklungsplattform an, welcher an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen einer digitalen Abschlussveranstaltung am Donnerstag, den 15.07.2021, präsentiert.

Für den Markthochlauf von strombasiertem Kerosin wird vom BMVI gegenwärtig eine Förderrichtlinie für Investitions- und Betriebskosten ausgestaltet, um einen spürbareren Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor zu leisten.

Eine Senkung der Treibhausgasemissionen soll sowohl unmittelbar durch die geförderten, in Verkehr gebrachten PtL-Produktionsmengen als auch in langfristiger Perspektive erfolgen, indem die Förderung zur Kostendegression der innovativen PtL-Technologie beiträgt und somit zukünftig weitere PtL-Produktionsmengen kostengünstiger bereitgestellt werden können. Der Fokus der Förderung liegt hierbei insbesondere auf der Produktion von PtL-Kerosin, da im Luftfahrtbereich gegenwärtig klimaneutrale Technologiealternativen fehlen. Kuppelprodukte der PtL-Kerosinproduktion sind für die Nutzung im Schiffs- und Straßenschwerlastverkehr vorgesehen.

Für die Ausgestaltung der Förderrichtlinie ist ein unverbindlicher Skizzenaufruf (Markttest) geplant.

Unverbindliches Markttestverfahren: Der Markttest als Vorstufe hat einen konsultativen Charakter. Ziel hierbei ist, eine gemeinsame Informationsbasis zwischen Fördermittelgeber (BMVI) und potenziellen Zuwendungsempfängern zu schaffen: Das BMVI kommuniziert mit dieser unverbindlichen Skizzenaufforderung vorläufige Informationen etwa zu Teilnahme- und Förderbedingungen. Potenzielle Zuwendungsempfänger haben auf dieser Basis die Möglichkeit, entsprechende Verbundpartnerschaften zu bilden und Projektskizzen zu ihren Vorhaben einzureichen. Diese Informationen werden durch das BMVI, mit Unterstützung durch die bundeseigene NOW GmbH als Programmgesellschaft, ausgewertet und dienen unter anderem der Konkretisierung des finalen Förderdesigns, also des wettbewerblichen Förderverfahrens.

Die Vorbereitungen für die Veröffentlichung  des unverbindlichen Markttestverfahrens laufen derzeit.

Die Beauftragung eine Projektträgers für die Durchführung der Fördermaßnahme durch das BMVI steht noch aus.
Aus diesem Grund können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Förderanträge eingereicht werden.

Sobald der Projektträger feststeht wird der Aufruf zur Einreichung von Förderanträgen bekanntgegeben.
Dieser Aufruf wird die Kontaktdaten des beauftragten Projektträgers sowie weitere Details zur Antragsstellung beinhalten.
Ab der Veröffentlichung der Ansprechpartner des beauftragten Projektträgers können Anträge gestellt werden.

Bis der Projektträger feststeht, erteilt die NOW GmbH allgemeine Auskunft zur Förderrichtlinie.

E-Mail:

Sie haben Fragen? Finden Sie Antworten in unseren FAQs zu Organisation, Inhalt und Regularik:

Organisatorische Fragen

Nein, die NOW hat niemals die Funktion eines Projektträgers. Als bundeseigene Programmgesellschaft berät sie die Ministerien lediglich inhaltlich und programmatisch bei der Ausgestaltung und Umsetzung von Fördermaßnahmen.

Momentan läuft die Ausschreibung des Projektträgers, eine Festlegung wird bis Mitte August erwartet. Sobald eine Benennung erfolgt ist, wird diese im Bundesanzeiger sowie auf den Webpräsenzen des BMVI und der NOW veröffentlicht.

Die Antragsstellung erfolgt zweistufig. In der ersten Verfahrensstufe können Projektskizzen beim Projektträger eingereicht werden. Nach positiver Prüfung der Projektskizze erfolgt in der zweiten Verfahrensstufe die Einreichung des Antragsentwurfs und nach positiver Vorprüfung anschließend die formale Antragseinreichung.

Die Skizzen können eingereicht werden, sobald der Projektträger feststeht. Eine Begutachtung der Projektskizzen durch den Projektträger erfolgt zu den in der Förderrichtlinie genannten Stichtagen eines Jahres (31.3. und 30.9.).

Skizzen können kontinuierlich eingereicht werden und zwei Mal im Jahr begutachtet (Stichtage 31.03. und 30.09.). Die Geltungsdauer der Förderrichtlinie bezieht sich auf den Zeitraum der Beantragung neuer Vorhaben. Die letzte mögliche Einreichungsfrist ist daher der 30.09.2024.

Innerhalb der ersten Verfahrensstufe erfolgt eine Rückmeldung durch den Projektträger innerhalb von zwei Monaten nach dem jeweiligen Stichtag. In der zweiten Verfahrensstufe werden die Einreicher der positiv bewerteten Projektskizzen mit Fristsetzung aufgefordert, einen Antragsentwurf vorzulegen.

Eine Beschleunigung des Verfahrens ist nicht möglich, da zunächst die Benennung des Projektträgers erfolgen und ein gleichberechtigter Wettbewerb aller Antragssteller gewährleistet sein muss.

Inhaltliche Fragen

Das primäre Ziel der Förderrichtlinie ist die Weiterentwicklung strombasierter Kraftstoffe und fortschrittlicher Biokraftstoffe, um dadurch zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beizutragen.

Das BMVI konzentriert seine Entwicklungsförderung auf Maßnahmen der Demonstration, Innovation und Marktvorbereitung. Der Fokus liegt hierbei auf anwendungsorientierten Vorhaben; reine Grundlagenforschung wird nicht gefördert. Projekte können dabei aus folgenden Bereichen stammen: Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben, Durchführbarkeitsstudien, Innovationsberatung und unterstützende Dienstleistungen, sowie Innovationsclustern.

An oberster Stelle steht hierbei das Erreichen der Ziele des Klimaschutzgesetzes für den Verkehrssektor. Diese sehen eine Senkung der Treibhausgasemissionen von 146 Mio. t CO2 im Jahre 2020 auf 85 Mio. im Jahre 2030 vor. Innerhalb der einzelnen Sektoren stehen eine Beschleunigung des Technologie-und Innovationstransfers, die Erreichung der technologischen Reife für Markteintritt/-hochlauf, Förderung von Innovationen, ein Ausbau der Technologieführerschaft und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und die Beschleunigung der Dekarbonisierung im Verkehrsbereich im Fokus.

Schwerpunkte liegen primär, aber nicht ausschließlich, auf folgenden Bereichen: Produktion und Weiterentwicklung von strombasierten Kraftstoffen, innovativen Elektrolysetechnologien, Aufbereitung von Kohlenstoffquellen, Entwicklung CO2 negativer Kraftstoffe, biotechnologische Verfahren zur Kraftstoffherstellung, Anlagenkopplung von Anlagen zur Herstellung von Biokraftstoffen mit Anlagen zur Herstellung strombasierter Kraftstoffe, Optimierung bereits existierender Produktionsverfahren und Erzeugung flüssiger und gasförmiger Biokraftstoffe.

Die Projektziele der Projektskizze müssen mit den Klimaschutzzielen der Bundesregierung bis 2030 in Einklang stehen. Die verwendeten Rohstoffe müssen daher künftig auf die Treibhausgasminderungsquote im Bundesimmissionsschutzgesetz anrechenbar und gemäß Annex IX Teil A der Erneuerbaren Energien Richtlinie der EU (2018/2001) (RED II) sein.

Das Ziel von Projekten mit direkter Kraftstofferzeugung sollte die Entwicklung, Erprobung oder Optimierung von Prozessen sein, welche perspektivisch für die Erzeugung von BImSchG-Konformen Kraftstoffen genutzt werden (Nationale Umsetzung der Erneuerbaren Energien Richtlinie der EU (2018/2001) (RED II)). Für die Projekte selbst gelten diese Kriterien allerdings nicht, da hier die Entwicklung im Vordergrund steht und nicht die Mengenproduktion von Kraftstoffen.

Regulatorische Fragen

Die Förderrichtlinie läuft von Mai 2021 bis Dezember 2024.

Dem BMVI stehen für die Förderung der Kraftstoffentwicklung insgesamt 640 Millionen Euro in den Jahren 2021-2024 zur Verfügung. Diese Mittel werden u.a. für die Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung regenerativer Kraftstoffe verwendet.

Die Höhe der Zuwendung pro Vorhaben richtet sich nach den Erfordernissen des beantragten Vorhabens. Es gelten die Maximalbeiträge für Beihilfen nach Artikel 4 AGVO. Dies sind 15 Millionen Euro pro Vorhaben für experimentelle Entwicklung bzw. 20 Millionen Euro pro Vorhaben für industrielle Forschung.

Die Förderhöhe richtet sich nach Vorhaben, nicht Anzahl der Projektpartner, und ist daher nicht kumulativ.

Wissenschaftliche Einrichtungen, Hochschulen, Gebietskörperschaften und gemeinnützige Organisationen können mit bis zu 100 % der zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben gefördert werden. FuE Vorhaben der Industrie können mit bis zu 50 % der beihilfefähigen Kosten gefördert werden, experimentelle Entwicklungen der Industrie mit 25 % der beihilfefähigen Kosten. Aufbau/Betriebskosten von Innovationscluster können ebenfalls mit bis zu 50 % der beihilfefähigen Kosten gefördert werden. Einen Sonderfall stellen Innovationsberatungsdienste dar, welche mit bis zu 100 % der beihilfefähigen Kosten gefördert werden können, wenn der Gesamtbetrag über drei Jahren nicht mehr als 200.000 EUR pro Unternehmen beträgt.

KMUs werden zur Antragsstellung ermutigt. KMU im Sinne der Förderrichtlinie sind Unternehmen, die die Voraussetzungen der KMU-Definition der EU erfüllen (vgl. Anhang I der AGVO).

Eine Förderung durch den Staat hat stets die Grundvorrausetzung, dass ein Vorhaben ohne die Förderung nicht umsetzbar ist/nicht umgesetzt wird. Werden vor der finalen Bestätigung einer Zuwendung Bestellungen getätigt oder Verträge geschlossen, wird mit diesem Grundsatz gebrochen. Die entsprechenden Kosten können bei einer Förderung nicht mehr berücksichtigt werden und ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn kann dazu führen, dass das ganze Projekt nicht gefördert werden kann.

Die Bundesregierung hat im Klimaschutzgesetz verbindliche Treibhausgasemissionsminderungen für den Verkehrssektor festgelegt. Regenerative Kraftstoffe sind perspektivisch unerlässlich, um den Verkehrssektor in Gänze klimaneutral zu gestalten. Denn nicht jede Anwendung im Verkehr lässt sich elektrifizieren oder anderweitig effizient klimaneutral gestalten.

Eine notwendige Voraussetzung zur Erreichung der Klimaschutzziele ist vor allem im Luft- und Schiffsverkehr, aber auch im langlaufenden Straßengüterverkehr das Inverkehrbringen von regenerativen Kraftstoffen. Je nach Einsatzgebiet können fortschrittliche Biokraftstoffe oder strombasierte Kraftstoffe auf Basis von EE-Strom zur Treibhausgasminderung in den entsprechenden Teilbereichen des Verkehrs eingesetzt werden. Diese regenerativen Kraftstoffe sind bis auf wenige Ausnahmen mit vergleichsweise geringen Mengen bisher am Markt nicht etabliert.