Die AG „EMS“ ist die erste deutsche Reederei, die LNG-Technik für den Fährdienst im Weltnaturerbe Wattenmeer einsetzt. Im Juni 2015 fand die Jungfernfahrt der bereits auf LNG-Antrieb umgerüsteten MS „Ostfriesland“ auf der Strecke von Emden nach Borkum statt. Die Erfahrungen der AG „EMS“ mit der LNG-Umrüstung der MS „Ostfriesland“ werden nun auch in den LNG-Umbau der MS „Münsterland“ einfließen.

Die MS „Münsterland“ verkehrt zwischen Emden, Eemshaven und Borkum. Damit sichert die MS „Münsterland“ den Passagier- und Warentransport vom Festland zur Insel Borkum. Durch den Umbau wird eine weitere Nutzungsdauer des Schiffs von 25 Jahren ermöglicht.

Als Antriebskonzept kommt bei der MS „Münsterland“ ein Gas-elektrischer Antrieb zur Anwendung. Die Fähre wird mit zwei LNG-Dual-Fuel Motoren und zwei LNG-Gasmotoren als Gas-Gensets ausgestattet. Der von den Generatoren erzeugte Strom wird im Wesentlichen verwendet, um über E-Motoren die Propeller und Bugstrahlruder anzutreiben sowie den Hotelbetrieb zu gewährleisten.

Der Kraftstoff LNG wird über die Bunkerstation bei einer Temperatur von rund -160 Grad Celsius und einem Bunkerdruck von rund 6-8 bar in den doppelwandigen vakuum-isolierten LNG-Tank hineingepumpt. Der Druck im Tank wird automatisch auf dem eingestellten Betriebsdruck (4,5 bar) gehalten.

Das gelagerte LNG wird mit Glykol erwärmt und in den gasförmigen Zustand versetzt, sodass es als Gas mit einer Temperatur von 30 °C und mit erforderlichem Einspritzdruck zu den Motoren strömt.

Das Tanksystem kommt ohne mechanische Pumpen aus. Bei Druckabfall im Tank (bei Gasentnahme durch Verbraucher) wird ein Teil des LNG mit Hilfe von Glykol vergast und dem Tank wieder zugeführt.

Zur Steigerung der Energieeffizienz ist eine Wärmerückgewinnung im Prozess vorgesehen.


Beitrag der umgerüsteten MS „Münsterland“ zu den Zielen des Förderprogramms:

Die LNG-Umrüstung der MS „Münsterland“ unterstützt die Einführung von verflüssigtem Erdgas (LNG) in der deutschen Seeschifffahrt und zeigt die Praxistauglichkeit dieses Treibstoffs auf. Mit der Projektumsetzung wird ein positives Signal an die Schifffahrtsbranche gegeben, um nachhaltige, umweltfreundliche und zukunftsorientierte Antriebstechniken zu etablieren.

Die MS „Münsterland“ wird nach der Umrüstung zu 100 % mit LNG betrieben und ausschließlich im Fährdienst im Weltkulturerbe Wattenmeer eingesetzt. In Kombination mit dem Schwesterschiff MS „Ostfriesland“ wird zukünftig der Fährbetrieb zu der Insel Borkum, von Emden und Eemshaven aus, überwiegend mit LNG angetriebenen Schiffen durchgeführt. Die LNG Umrüstung der MS „Münsterland“ steigert die Nachfrage nach LNG als Schiffskraftstoff in Deutschland und schafft damit Anreize für den Aufbau der entsprechenden LNG-Versorgungsinfrastruktur im Hafen Emden.

Die LNG-Umrüstung der MS „Münsterland“ trägt maßgeblich zur Senkung der Luftschadstoffemissionen im Weltkulturerbe Wattenmeer bei. Der Ausstoß von Stickoxiden, Schwefeloxiden (jeweils über 90%) und Kohlendioxid (ca. 20%) in den Schiffsabgasen wird im Vergleich zu herkömmlichen Schiffstreibstoffen verringert und Feinstaubemissionen sogar ganz vermieden. Eine zusätzliche Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 50% im Vergleich zu Marinediesel wird über die Beimischung von Bio-LNG bereits in den ersten acht Betriebsjahren angestrebt.

Bildquelle: Aktien-Gesellschaft „EMS“

 

Förderkennzeichen
45S181X003