Die Reederei Finnlines hat das klare Ziel, ihre Hafenanläufe mittelfristig komplett emissionsfrei zu gestalten. Als ersten und wichtigen Schritt dieser Nachhaltigkeitsstrategie werden Neubauten und Bestandsschiffe mit Landstromanschlüssen ausgestattet, um die Versorgung mit Landstrom zu ermöglichen und zeitgleich den Betrieb von Diesel-Generatoren und damit den Ausstoß umweltschädlicher Schadstoffe während der Liegezeit im Hafen zu vermeiden.

Die drei RoPax-Fähren „Finnlady“, „Finnstar“ und „Finnmaid“ werden als erste Schiffe der eigenen Flotte mit Landstromanschlüssen ausgestattet und sollen damit eine Leuchtturmfunktion für die gesamte Flotte einnehmen. Dieses Pilotvorhaben innerhalb der eigenen Flotte unterstützt die Bundesregierung in seiner Umsetzung mit Mitteln aus der BordstromTech-Richtlinie.

Finnlines Plc. ist eine führende europäische Fährreederei. Ihre 21 RoRo- und RoPax-Fähren verkehren in der Nord- und Ostsee und dem Golf von Biskaya. Durch regelmäßige Abfahrten zwischen Finnland und Schweden zum nordeuropäischen Kontinent – insbesondere dem Lübecker Hafen (Travemünde) – stellen die Schiffe der Reederei ein wichtiges Drehkreuz und Rückgrat des innereuropäischen Kurzstreckenseeverkehrs dar.

Finnlines Deutschland GmbH ist eine 100%ige Tochtergesellschaft des finnischen Mutterkonzerns mit Sitz in Lübeck. Der Hafen Lübeck/Travemünde stellt für Finnlines einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt dar. Der hochfrequente HansaLink-Dienst verbindet den Hafen Lübeck mit der finnischen Hauptstadt Helsinki. Gemeinschaftlich realisieren diese beiden Unternehmen das Umrüstungsvorhaben.

Über die zu installierenden bordseitigen Anschlüsse kann umweltfreundlicher Landstrom in das Bordnetz der Schiffe während ihrer Liegezeit im Hafen eingespeist werden und erlaubt somit die Abschaltung der schiffseigenen Dieselgeneratoren (sog. Cold-Ironing). Der Strombedarf einer RoPax Fähre schwankt während der Liegezeit je nach Jahreszeit und Passagieraufkommen zwischen 1,1 und 1,5 MW (Megawatt).

Durch das Umrüstungsvorhaben wird der Ausstoß umwelt- und klimaschädlicher Emissionen im Hafen von Lübeck während der Liegezeit gänzlich vermieden. Das Umrüstungsvorhaben der Reederei leistet somit einen signifikanten Beitrag zur Luftreinheit in den Lübecker Häfen und zur Abmilderung der Klimaeffekte durch den Ausstoß von Treibhausgasen (vornehmlich CO2äq). Es werden ca. 600 Tonnen CO2äq pro Jahr und RoPax-Fähre eingespart. Hinzu kommen die Vermeidung von Stickstoff- und Schwefelemissionen sowie Feinstaub im Hafen.

In enger Kooperation zwischen der Reederei und dem Lübecker Hafen wird am Skandinavienkai im Hafen Lübeck zeitgleich eine stationäre Landstromanlagen errichtet, die eine Stromversorgung der Schiffe mit bis zu 7 MVA erlauben soll. Die Europäische Kommission unterstützt den Bau als ein Vorhaben von gemeinsamem Interesse mit einer Förderung unter der Fazilität „Connecting Europe“. Die Anlage soll bis Anfang 2023 für die Versorgung der RoPax Fähren zur Verfügung stehen.

Die vorbereitenden Maßnahmen des Vorhabens begannen bereits im Dezember 2021 und die RoPax-Fähre „Finnlady“ – als erste der drei Schwesterschiffe – wird planungsgemäß noch in 2022  für die Aufnahme von Landstrom ausgerüstet werden. Bis Anfang 2023 sollen dann voraussichtlich die Anlagen an Bord aller drei Schiffe betriebsbereit sein.

Jedes Einzelvorhaben hat ein Investitionsvolumen von EUR 641.000,00 und wird vom Bund mit EUR 256.760,00 unterstützt.


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