Innovations- und Technologiezentrum für Wasserstofftechnologien
Die Bundesregierung hat im Juni 2020 mit der Nationalen Wasserstoffstrategie einen Handlungsrahmen zur Förderung von Innovationen und Investitionen in Wasserstofftechnologien in Deutschland festgelegt. Grüner Wasserstoff und seine Folgeprodukte sollen als Energieträger etabliert werden und damit zur Erreichung der Klimaziele wesentlich beitragen. Die Maßnahme 10 des Aktionsplans der Nationalen Wasserstoffstrategie aus dem Jahr 2020 sah die Prüfung des Aufbaus eines Innovations- und Technologiezentrums für Wasserstofftechnologien (ITZ-H2) vor. Hierfür hat das BMV bis zu 290 Millionen Euro Anschubfinanzierung bereitgestellt.
Laut dem Bundesklimaschutzgesetz sollen die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor bis zum Jahr 2030 um fast die Hälfte gegenüber dem Jahr 1990 gesenkt werden. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden. Die Nutzung von nachhaltigem Wasserstoff und seinen Derivaten im Verkehrsbereich ergänzt hierbei die batterieelektrische Mobilität und kann dazu beitragen, das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.
Das ITZ-H2 soll dabei helfen, Forschung und Entwicklung rund um Wasserstoff in neue Produkte zu übersetzen – und diese auf die Straße, ins Wasser und in die Luft zu bringen. Dafür wird bundesweit Entwicklungs-, Test- und Prüfinfrastruktur aufgebaut, um Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – bei der notwendigen Transformation der Wertschöpfungsketten hin zu klimaschonenden Antriebstechnologien auf Wasserstoffbasis zu unterstützen.
Das ITZ-H2 wird an vier Standorten entstehen, die im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ausgewählt wurden. Dort werden Unternehmen bei ihren Entwicklungsaktivitäten im Bereich Wasserstoff und seinen Derivaten für den Verkehrssektor gezielt unterstützt – mit Laborumgebungen, Prüfständen und hochspezialisierten Dienstleistungen, die am freien Markt bislang nicht oder nicht diskriminierungsfrei verfügbar sind und die besonders für KMU allein nicht wirtschaftlich aufzubauen wären.
Die entstehende Infrastruktur schafft Entwicklungsumgebungen, die es ermöglichen, Komponenten und Systeme zu testen, zu prüfen und zu zertifizieren. Damit leisten die Zentren einen direkten Beitrag zum Hochlauf von H2-basierten nachhaltigen Antrieben. Ziel ist es, Synergien zwischen Industrie, Forschung und Start-ups zu fördern und Vernetzungen in der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette zu schaffen. Die Angebote des ITZ-H2 sind diskriminierungsfrei und werden Deutschland-weit zur Verfügung stehen. Besonders KMU erhalten Zugang zu Ressourcen und Know-how, das sie eigenständig nicht vorhalten könnten.
Für die erfolgreiche Markteinführung neuer Technologien sind die Themen Regulierung, Standards sowie Normung (engl. „Regulation, Codes and Standards“, kurz RCS) essentiell. In einem Verbundvorhaben der ITZ Standorte soll hierfür eine allgemein zugängliche Datenbasis erarbeitet werden, die die Unternehmen bei der internationalen Zusammenarbeit zur Setzung von Standards und Etablierung von Zertifizierungsprozessen unterstützt und so gute Rahmenbedingungen bietet, um sich für den internationalen Wettbewerb aufzustellen.
Der Aufbau des ITZ-H2 wird durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit bis zu 290 Millionen Euro als befristete Anschubfinanzierung unterstützt. Darüber hinaus stellen einzelne Bundesländer ergänzende Fördermittel bereit. Die vier Standorte sind nach spezifischen Anwendungsfeldern ausgerichtet – orientiert an den Stärken und Bedarfen der jeweiligen regionalen Industrie.
Die vier Standorte
Im Rahmen des hierzu im Jahr 2021 durchgeführten Standortwettbewerbs haben sich vier Standorte aus ganz Deutschland durchgesetzt:
- Standort Nord: Ein Zusammenschluss aus Bremen/Bremerhaven, Hamburg und Stade
- Standort Chemnitz
- Standort Süd: Pfeffenhausen in Bayern
- Standort West: Duisburg plus Satelliten
Diese Standorte haben sich anschließend durch ein vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für die Umsetzung eines ITZ-H2 inhaltlich weiter qualifiziert.
Im Juli 2023 veröffentlicht die Bundesregierung die Fortschreibung der NWS mit dem ITZ-H2 als wichtige Maßnahme. Im März 2024 wurde nach Abstimmung mit der EU Kommission die Förderrichtlinie ITZ-H2 veröffentlicht.
Ende des Jahres 2024 wurden die Standorte Nord und Chemnitz bewilligt und erhielten am 06.03.2025 vom damaligen Bundesminister für Verkehr und Digitales Dr. Wissing feierlich ihre Förderbescheide.
Der Standort ITZ Nord, das Hanseatic Hydrogen Center for Aviation and Maritime (H2AM) wurde Ende 2024 offiziell bewilligt. Am 6. März 2025 überreichte Bundesminister Dr. Volker Wissing die Förderurkunden an die beteiligten Partner-institutionen. Das Zentrum setzt einen klaren thematischen Schwerpunkt auf die Anwendung von Wasserstofftechnologien in der Luft- und Schifffahrt.
Das ITZ Nord wird mit insgesamt 69,8 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert. Es umfasst drei Substandorte in:
- Bremen/Bremerhaven
- Hamburg
- Stade
Die Zuwendungsempfänger setzten sich aus führenden Forschungseinrichtungen zusammen:
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen sowie Institut für Systemleichtbau in Stade
- Fraunhofer-Institute – IFAM (Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung) in Stade und CML (Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen) in Hamburg
- Leibniz Universität Hannover, als Partner in der Forschungskooperation HP CFK (Hochleistungs-Polymerfaserverbundkunststoffe) in Stade
- ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg
- ttz Bremerhaven, ein anwendungsnahes Forschungsinstitut mit Fokus auf maritime Technologien
- Projektentwicklung Stade
Das ITZ Nord ist somit ein zentraler Baustein für den Hochlauf von Wasserstofftechnologien in Deutschland – insbesondere in den Bereichen emissionsfreie Luftfahrt und klimafreundliche maritime Mobilität.
RCS Verbundvorhaben
Das Verbundvorhaben bereitet aktuell einen Förderantrag vor.