Von 2018 bis 2022 stieg die Nutzung der Ladepunkte insgesamt kontinuierlich an. Seitdem ist sie minimal zurückgegangen. Im Durchschnitt sind Ladepunkte etwa 2,3 Stunden pro Tag belegt, was einer zeitlichen Auslastung von knapp zehn Prozent entspricht. Wie das Factsheet zeigt, haben solche Durchschnittswerte allerdings nur eine begrenzte Aussagekraft, da wesentliche Aspekte des komplexen Ladeverhaltens unberücksichtigt bleiben: die Auslastung hängt maßgeblich von der Tageszeit, vom Standort und mitunter von der Saison ab. So kann es auch bei einer niedrigen durchschnittlichen Auslastung zu deutlichen Spitzenwerten im Tagesverlauf kommen. Eine differenzierte Betrachtung ist daher erforderlich.
So sind mittags die meisten Ladepunkte belegt, nachts die wenigsten. In Metropolen werden die Ladepunkte wesentlich häufiger genutzt als in weniger dicht bewohnten Gebieten. Zudem weist die Auslastung in Metropolen im Gegensatz zu anderen Raumtypen, wie städtischen und ländlichen Gebieten, einen zusätzlichen Spitzenwert am Abend auf. In Urlaubsregionen steigt die Auslastung in den Ferienzeiten und an Feiertagen erwartungsgemäß deutlich.
Einordnung der Erkenntnisse
Unterschiedliche Faktoren verhindern, dass die Auslastung beliebig steigen kann – sie hat systembedingte Grenzen. Gründe sind etwa räumliche und zeitliche Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage, technische und tarifliche Hürden, eingeschränkte Verfügbarkeit oder die Errichtung von bewusst niedrig ausgelasteten Ladepunkten zur Sicherstellung der Flächendeckung. Deshalb erlaubt die Auslastung allein keine Rückschlüsse auf Wirtschaftlichkeit, Nutzerfreundlichkeit oder die tatsächliche Bedarfsdeckung.
Johannes Pallasch, Leiter und Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur: „Wer mit dem E-Auto unterwegs ist, hat heutzutage wenig Probleme, eine freie Ladesäule in der Nähe zu finden. Die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in Deutschland ist für den derzeitigen E-Auto-Bestand mit knapp 170.000 Ladepunkten gut ausgebaut, doch diese sind unterschiedlich stark ausgelastet. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Auslastungsdaten. Unsere Analyse hilft zu verstehen, wann und wo Ladepunkte besonders stark genutzt werden. Das Factsheet soll eine Diskussionsgrundlage schaffen und zugleich zeigen, dass nur eine differenzierte Analyse der Auslastung echte Erkenntnisse für den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur liefern kann.“
Die Ergebnisse beruhen auf Daten von etwa 22 Prozent aller öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland. Damit bietet die Analyse eine solide Grundlage für Diskussionen über den weiteren Ausbau oder für vertiefende Studien.
Das Factsheet steht ab sofort hier kostenfrei zur Verfügung.
Über die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur
Im Auftrag des BMV koordiniert und steuert die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der bundeseigenen NOW GmbH die Aktivitäten zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Sie unterstützt beim Planen, Umsetzen und Fördern der Ladeinfrastruktur. Um den Bedarf an Ladesäulen besser zu verstehen, erfasst sie relevante Daten. Sie vernetzt alle wichtigen Akteure und gibt ihr Wissen weiter. Die Nutzerinnen und Nutzer hat die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur dabei immer im Blick.




