20.09.2016

Umweltfreundliche Antriebe - BMVI fördert Triebzüge mit Brennstoffzelle und Batterie

Emissionsfreie Triebwagen sollen eine umweltfreundliche Alternative zu Diesellokomotiven für nichtelektrifizierte Bahnstrecken darstellen. Dazu fördert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Entwicklung von Triebwagen mit Batterie bzw. Brennstoffzellenantrieb.

Auf der InnoTrans 2016 enthüllte Minister Dobrindt den weltweit ersten Triebzug mit Brennstoffzellenantrieb und überreichte eine Absichtserklärung zur Förderung eines batterieelektrischen Triebzugs. Beide Projekte finden im Rahmen der von NOW umgesetzten Förderprogramme Nationales Innovationsprogramm (NIP) bzw. der Förderrichtlinie Elektromobilität BMVI statt.

Dobrindt: „Insbesondere auf Nebenstrecken, an denen Oberleitungen unwirtschaftlich oder noch nicht vorhanden sind, fahren bislang Züge mit Dieseltriebwagen. Mit unseren Investitionen bringen wir hier umweltfreundliche Antriebe aufs Gleis: emissionsfrei, energieeffizient, kostengünstig - eine echte Alternative zum Diesel. Mit dem Einsatz der Brennstoffzellen- und Batterietechnologie auf der Schiene beginnt ein neues Zeitalter für nichtelektrifizierte Strecken.“

Weltneuheit – Brennstoffzellenzug von Alstom ab 2018 im Nahverkehr

Das BMVI hat die Entwicklung des Triebwagens durch die Firma Alstom – made in Germany – mit knapp 8 Millionen Euro im Rahmen des „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzelle“ gefördert. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro.

Zwei Fahrzeuge sollen ab 2018 im Nahverkehr in Niedersachsen auf der Strecke Bremerhaven – Buxtehude – Cuxhaven eingesetzt werden. Geplant ist der weltweit erste Einsatz eines solchen Fahrzeugs im regulären Fahrbetrieb. Neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben auch Hessen und Baden-Württemberg Absichtserklärungen für den Einsatz der Brennstoffzellenzüge unterschrieben.

Brennstoffzellentriebzüge weisen eine höhere Energieeffizienz auf als konventionelle Dieseltriebzüge, wodurch die benötigten Energiekosten für den Fahrbetrieb gesenkt werden können. Zudem kann eine zentral errichtete Wasserstoff-Tankstelle den Energiebedarf eines Streckennetzes im Regionalverkehr komplett abdecken; auf den Aufbau eines engmaschigen Tankstellennetzes kann verzichtet werden. Die technische Entwicklung der Züge für den Regionalbetrieb erfolgt im Alstom-Werk in Salzgitter.

BMVI-Studie – heute schon 25 Prozent günstiger als Diesel

Im Rahmen der BMVI-Studie „Wasserstoff-Infrastruktur für die Schiene“ wurden betriebliche Anforderungen an Brennstoffzellenantriebe im Bahnbetrieb wie Betankung, Einsatzplanung, Wartung und Haftungsfragen untersucht. Ergebnis: Hinsichtlich der Umlaufplanung und dazugehörenden Betankung bzw. Wartung für die infrage kommenden Strecken in Deutschland gibt es keine operationellen Einschränkungen durch die Wasserstofftechnik. Die Wirtschaftlichkeitsanalyse der Studie hat ergeben, dass bei den laufenden Kosten der Infrastruktur (Betriebskosten, Treibstoffkosten, Gebühren) aufgrund von Effizienzvorteilen des Brennstoffzellen- Antriebs und geringerer Instandhaltungskosten gegenüber der Dieselinfrastruktur mit Kostenvorteilen von mittelfristig bis zu 25 Prozent gerechnet werden können.

Elektrotriebzug mit Traktionsbatterien – Absichtserklärung für Förderprojekt

Minister Dobrindt hat auf der InnoTrans außerdem eine Absichtserklärung an das Unternehmen Bombardier für das Projekt BEMU (Battery Electrical Multiple Unit) überreicht. Gefördert wird die Erprobung eines mit Traktionsbatterien ausgestatteten Elektrotriebzugs im Realverkehr auf nicht- oder teilelektrifizierten Strecken. Das BMVI fördert diese innovative Entwicklung mit rund 4 Millionen Euro im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität. Das Gesamtvolumen der Investition beträgt 8,6 Millionen Euro.

Im Projekt soll ein Elektrotriebzug vom Typ Talent 2 mit Traktionsbatterien ausgestattet und auf nicht- oder nur teilelektrifizierten Regionalbahnstrecken betrieben werden. Im Fokus des Projekts stehen der Nachweis der technischen Realisierbarkeit, Untersuchungen der Gesamtwirtschaftlichkeit unter Berücksichtigung von Umweltaspekten sowie vor betrieblichem und finanziellem Hintergrund und der Vergleich zu konventionellen Dieselfahrzeugen. Ergänzend sollen Handlungsempfehlungen für Betreiber, Aufgabenträger und Verkehrsplaner erarbeitet werden. Der zu entwickelnde Zug ist für den europäischen Markt eine Erstanwendung. Interne Prognosen von Bombardier kommen zu dem Ergebnis, dass infolge von Ersatzbeschaffungen ab 2020 ein jährliches Potenzial von 200 Batterietriebzügen entstehen kann.