08.03.2016

Fachkonferenz in Aachen und Förderaufruf

Berlin/Aachen, 8. März 2016 – Die Bundesregierung hält am Ziel eine Million E-Fahrzeuge bis 2020 fest. Komplementär zur Förderung von Forschung und Entwicklung seit 2009 unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seit 2015 gezielt Städte, Gemeinden und Kreise beim Aufbau der Elektromobilität.

Elektrische Pkw, Busse, Lkw oder andere Fahrzeuge kommen entweder bei den Kommunen direkt oder bei kommunalen Betrieben und Verkehrsunternehmen zum Einsatz. Damit wird die Elektromobilität im alltäglichen Leben der Menschen vor Ort stärker verankert. Zudem werden dadurch weitere wichtige Akteure wie Flottenbetreiber, Verkehrsbetriebe und Privatnutzer, die für den Erfolg von alternativen Kraftstoffen und Antrieben in der Praxis entscheidend sind, besser erreicht.

Aufbauend auf die inhaltlichen Handreichungen des „Starterset Elektromobilität“ unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit der 2015 in Kraft getretenen und bis 2019 laufenden Förderrichtlinie zur batterieelektrischen Elektromobilität über alle Verkehrsträger gezielt die kommunalen Akteure beim Aufbau der Elektromobilität vor Ort. Die Potenziale der Kommunen ergeben sich aus deren Doppelrolle: Zum einen agieren sie als Betreiber von Fuhrparks oder Fahrzeugflotten, zum anderen sind sie zuständig für die Mobilitätsplanung und die allgemeine Verkehrsentwicklung vor Ort.

Als Ergebnis des Förderaufrufs aus dem letzten Jahr unterstützt das BMVI 35 Landkreise, Städte und Gemeinden in Deutschland beim Aufbau von Elektrofahrzeugflotten durch finanzielle Hilfen für die Beschaffung von Fahrzeuge und entsprechender Ladeinfrastruktur bzw. für die Erstellung elektromobiler Beschaffungs- bzw. Verkehrskonzepte. Der zum März veröffentlichte Förderaufruf für das Jahr 2016 konzentriert sich auf Anträge zur Förderung der Beschaffung von Elektrofahrzeugen im kommunalen Kontext und damit verbundener Maßnahmen zum Aufbau von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur sowie der Erstellung umsetzungsorientierter kommunaler Elektromobilitätskonzepte. Das BMVI baut damit auf den Erfolgen aus den Programmen Modellregionen Elektromobilität und Schaufenster Elektromobilität auf.
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Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), die im Auftrag des Bundes das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) sowie im Auftrag des BMVI die Modellregionen Elektromobilität koordiniert: „Elektromobilität – mit Batterie und Brennstoffzelle – ist der Schlüssel für eine nachhaltige und emissionsfeie Mobilität und Logistik vor Ort. Bund und Industrie haben in Deutschland gemeinsam an der Marktvorbereitung der Technologien gearbeitet. Jetzt gilt es, den Markthochlauf zu organisieren und in Partnerschaft mit den Kommunen und anderen Partnern in Städten, Gemeinden und Kreisen in der Breite erfolgreich umzusetzen.“

Modellregionen Elektromobilität – Vorstellung von Ergebnissen auf der Fachkonferenz „Elektromobilität vor Ort“ in Aachen
Seit 2009 fördert das BMVI den Aufbau von Elektromobilität in Modellregionen in insgesamt über 500 Einzelvorhaben mit rund 280 Millionen Euro. Im Vordergrund steht dabei nicht zuletzt die übergeordnete wissenschaftliche Auswertung von Ergebnissen und Erfahrungen aus den konkreten, praxisorientierten Demonstrationsprojekten. Auf der BMVI-Fachkonferenz „Elektromobilität vor Ort“, am 8. und 9. März im Aachen, zu der rund 300 Teilnehmer erwartet werden, werden aktuelle Berichte und Bilanzen aus der wissenschaftlichen Begleitforschung der Förderprojekte vorgestellt. Sie zeichnen ein erfreuliches Bild.

  • Im Bereich Pkw konnten in den letzten Jahren die Verluste vom Ladepunkt bis zum Antriebsstrang von 20 Prozent auf 13 Prozent verbessert werden. Positiv fällt auch der ökologische break-even-Punkt mit konventionellen Pkw auf: Plug-In Elektrofahrzeuge (PHEV), sind ab einer Tagesfahrleistung von 15 bis 30 Kilometern (heutiger Strommix) ökologisch besser als ein vergleichbares Benzin- bzw. Dieselfahrzeug (Fahrzeugnutzungsdauer 12 Jahre). Wenn die Fahrzeuge Ökostrom laden, greift der Öko-Vorteil schon ab einer Tagesfahrleistung von 4 bzw. 10 Kilometern.

  • Ein erfolgversprechendes Einsatzgebiet von Elektrofahrzeugen sind gewerbliche Flotten. Die Akzeptanz der Nutzer ist hier besonders hoch, weil in gewerblichen Flotten konventionelle Ersatzfahrzeuge für Fahrten zur Verfügung stehen, die die Möglichkeiten von Elektrofahrzeugen übersteigen (Reichweite, Ladedauer).

  • Im ÖPNV zeigen Ergebnisse aus den Projekten, dass Dieselhybridbusse im Durchschnitt 20 Prozent weniger Kraftstoff benötigen und 50 Prozent weniger Feinstaub-Emissionen (NOX) als konventionelle Dieselbusse verursachten. Eine Aufgabe für die Zukunft bleibt allerdings die weitere Reduktion der Anschaffungskosten, denn Dieselhybridbusse kosten heute noch 15-20 Prozent mehr als konventionelle Dieselbusse. Im Bereich der reinen Batteriebusse, die durch das BMVI im Rahmen von technologischen Forschungsprojekten, Demonstrations- oder Beschaffungsmaßnahmen bereits seit 2009 gefördert werden, zeigen erste Praxisergebnisse, dass sich durch den Einsatz dieser neuen Fahrzeuggeneration über 80 Prozent Treibhausgase einsparen lassen. Durchgängig positiv ist die Resonanz bei Fahrgästen und Personal in den bisherigen Beispielstädten: Sie nehmen die Elektromobilität im ÖPNV hervorragend an.
    Thema auf der Fachkonferenz ist auch der Einsatz von Brennstoffzellenbussen im ÖPNV. Die Vorteile dieser Technologie sind insbesondere die hohe Reichweite (300km ohne Nachtanken) und große Routenflexibilität, da die Busse entlang der Strecke nicht auf Lade- bzw. Betankungsinfrastruktur angewiesen sind.

  • Kommunen können zum Erfolg von (E-)Carsharing beitragen, indem sie die Nutzung entsprechender Fahrzeuge in ihr eigenes Mobilitätsmanagement einbinden. Vor allem in Kommunen im ländlichen Raum kommt zudem der Nutzung lokal erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen, der Vernetzung der Nutzer untereinander sowie der Rolle von zugkräftigen Multiplikator-Persönlichkeiten eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der Akzeptanz und der Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität im (E-)Carsharing zu.

  • Auf Batteriesystemebene werden durch die Automobilhersteller alle bekannten Risiken der Zellebene berücksichtigt und abgefangen. Die in Europa geltenden Zulassungsvorschriften testen die Sicherheit von Elektrofahrzeugen und Batteriesystemen heute schon umfassend und gewährleisten eine Sicherheit vergleichbar mit dem Betrieb von konventionellen Fahrzeugen.

Alle aktuellen Handbücher aus der wissenschaftlichen Begleitforschung der Modellregionen Elektromobilität und des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) finden Sie hier:
https://www.now-gmbh.de/de/service/publikationen