23.04.2018

Alternative Antriebe im Aufwind

  • Aktuell zugelassene Batteriefahrzeuge: rund 116.000 (+78,7 Prozent in 12 Monaten)
  • Starker Zuwachs bei Lade- und Tankinfrastruktur für erneuerbare Kraftstoffe
  • Wasserstoff: spürbarer Anstieg bei Pkw, Bussen und Zügen
  • Starkes Interesse bei der Förderung von Seeschiffen mit LNG-Antrieb
  • NOW GmbH weitet internationale Tätigkeit aus

Hannover/Berlin, 23. April 2018 – Der Markthochlauf von alternativen Antrieben und Kraftstoffen im Mobilitätsbereich schreitet in immer schnellerem Tempo voran. Allein in den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der zugelassenen Batteriefahrzeuge um fast 80 Prozent gestiegen. Viel bewegt sich auch beim Ausbau entsprechender Infrastrukturen für alternative Kraftstoffe. Die Zahl der Wasserstofftankstellen hat sich verdoppelt, die Investitionen in den Ausbau eines flächendeckenden Netzes an Ladepunkten steigen kontinuierlich an. NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff: „Der Tipping Point, ab dem eine Entwicklung eine deutliche Beschleunigung erfährt, ist für die Elektromobilität in den wichtigsten Märkten der Welt erreicht. Wir müssen jetzt die Integration erneuerbarer Energien in unser Energiesystem – inklusive des Verkehrsbereichs – vorantreiben und die entsprechende Wertschöpfung in Deutschland aufbauen.“

Die NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie koordiniert als Bundesgesellschaft seit 2008 nationale Strategien und öffentlich-private Programme im Technologiefeld nachhaltige Antriebe. Dazu zählen insbesondere die Elektromobilität mit Brennstoffzellen und Batterien, aber auch Erdgas und strombasierte Kraftstoffe sowie die Einführung und der Markthochlauf der Brennstoffzellentechnologie im stationären Bereich.

Förderrichtlinie Elektromobilität des BMVI fokussiert Kommunen

Flottenbetreiber und Kommunen als zentrale Beschaffer investieren in emissionsfreie Mobilität. Das zeigen die circa 160 Beschaffungs- und 130 Konzeptanträge, die im Rahmen des BMVI-Programms Elektromobilität vor Ort eingegangen sind. 2.500 Flottenfahrzeuge und für deren Betrieb notwendige 600 Ladeinfrastruktureinheiten konnten bisher bewilligt werden. Zum März 2018 waren 4,25 Prozent der neuzugelassenen PKW in Deutschland (teil-) elektrisch, das sind rund 55.000 Fahrzeuge; insgesamt sind 62.963 reine batterie-elektrische PKW und 52.866 Plug-in-Hybride angemeldet. Die Förderprogramme des BMVI leisten einen wesentlichen Beitrag zum Markthochlauf der Elektrofahrzeuge.

Ladeinfrastruktur: kundengerechter Ausbau geht weiter

Die Auswertung des ersten Förderaufrufs im Bundesprogramm Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge liegt vor: Mit insgesamt 808 bewilligten Anträgen und mehr als 7.000 Normal- und 1.600 Schnellladepunkten liegt die Zahl der bewilligten Ladepunkte deutlich über den Erwartungen. Insgesamt hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für den ersten Förderaufruf 45 Millionen Euro für den Aufbau von Schnelllade- und Normalladestationen bereitgestellt. Der weitere kundengerechte Ausbau von Infrastrukturen für alternative Kraftstoffe (IAK) wird durch die Entwicklung eines Standorttools unterstützt, mit dessen Hilfe belastbare Daten zum konkreten Nutzerverhalten in die Planungen einbezogen werden können.

NIP: Mehr Wasserstofftankstellen, mehr Brennstoffzellenfahrzeuge

Der Ausbau des Wasserstofftankstellen-Netzes in Deutschland schreitet voran. Insgesamt umfasst das Netz heute bereits 43 Stationen, weitere 43 Tankstellen sind aktuell in Bau und Planung. Bis 2019 sollen es bereits 100 sein, um die Markteinführung von Brennstoffzellenfahrzeugen zu flankieren. Seit 2016 konnte, u.a. durch die Unterstützung aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) der Bundesregierung, die Zahl der Pkw auf rund 500 verdoppelt werden. Auch bei Bussen steigt die Zahl: Mehrere ÖPNV-Betriebe in Deutschland schaffen insgesamt über 60 Brennstoffzellenbusse an. Ein Augenmerk der Förderung im NIP liegt derzeit auf dem Aufbau einer Brennstoffzellenstack-Produktion um Wertschöpfungsanteile und Arbeitsplätze für Deutschland zu sichern. Für ihren Regionalverkehr hat die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen 14 Brennstoffzellenzüge bestellt. Weitere Wasserstoffzüge sind vorgesehen für Strecken in Hessen.

Mit der Förderung von Pkw, Bussen und Zügen für den ÖPNV deckt das NIP alle Verkehrsträger ab. Darüber hinaus wurden in diesem Programm Brennstoffzellenheizgeräte durch die Förderung von Entwicklungsprojekten und durch Feldtests wie CALLUX an den Markt herangeführt. Seit September 2016 werden die Anlagen über das KfW Programm 433 „Energieeffizient Bauen und Sanieren - Zuschuss Brennstoffzelle“ gefördert. Hier wurden laut KfW Geschäftsbericht bis Ende 2017 über 1.900 Förderzusagen für Brennstoffzellen Heizgeräte erteilt. Außerdem werden über das NIP 2 Brennstoffzellensysteme zur autarken Energieversorgung kritischer oder netzferner Infrastrukturen gefördert. Der Förderaufruf hat ein Volumen von 5 Millionen Euro, damit können etwa 500 bis 600 brennstoffzellenbasierte Netzersatzanlagen gefördert werden.

Klimaschonende Schiffe mit Flüssigerdgas (liquified natural gas, LNG)

Mit der Förderung von LNG als Schiffskraftstoff wird ein weiterer Weg geöffnet, der zur Senkung der Treibhausgas- und der Luftschadstoffemissionen beiträgt. Mit der Förderrichtlinie für die Aus- und Umrüstung von Seeschiffen zur Nutzung von LNG als Schiffskraftstoff vom 17. August 2017 wird die Einführung von LNG in der deutschen Schifffahrt vorangetrieben. Ziel der Richtlinie ist die Nachfrage nach LNG als Schiffskraftstoff in Deutschland zu steigern, um damit auch Anreize für den Aufbau der entsprechenden LNG-Versorgungsinfrastruktur in Häfen zu geben. Im ersten Förderaufruf wurden von 17 Unternehmen ein oder mehrere Anträge einge-reicht. Dies bestätigt das große Interesse an der Nutzung von LNG im Schiffsverkehr.

NOW weitet internationale Tätigkeit aus

Im Rahmen der Exportinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) haben NOW und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vereinbart, gemeinsam ein Netzwerk in Schwellen- und Entwicklungsländern aufzubauen, um Projekte zur klimafreundlichen Nutzung von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien voranzubringen. Im Zuge der Beauftragung durch das BMU baut die NOW außerdem ihre Partnerschaften mit Japan im Bereich Power-to-Gas-Technologien aus. Darüber hinaus wird mit der Gründung des Sino-German Electro-Mobility Innovation and Support Center (SGEC), des deutsch-chinesischen Innovationszentrums für Elektromobilität, die Zusammenarbeit zwischen Deutsch-land und China institutionell verstetigt.