Potenziale, Herausforderungen und Ziele

Potenziale der Elektromobilität

1. Klimaschutz:
Elektromobilität kann einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der
CO2-Emissionen im Verkehrssektor leisten

Der PKW-Verkehr verursacht ca. 14% der Emissionen des für den Treibhauseffekt verantwortlichen
Gases CO2 in Deutschland. In der Energiebilanz (well to wheel) sind elektrische
Antriebe im Vergleich zum Verbrennungsmotor bereits beim heutigen Kraftwerksmix effizienter
und können damit zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. Erhebliche Klimavorteile
werden aber erst dann erreicht, wenn der Strom aus anderen Quellen als den
fossilen Energieträgern stammt.

2. Sicherung der Energieversorgung:
Fahren mit elektrischem Strom kann unsere Abhängigkeit vom Öl vermindern

Die Elektromobilität ermöglicht eine breitere Diversifizierung der für die Mobilität eingesetzten
Primärenergieträger. Neben der damit erreichbaren Reduzierung der Abhängigkeit vom Erdöl
eröffnet sich damit vor allem auch der Zugang zu dem gesamten Spektrum der erneuerbaren
Energien.

3. Ausbau des Technologie- und Industriestandortes:
Deutschland kann zum Leitmarkt für Elektromobilität werden und der deutschen
Wirtschaft einen neuen Innovationsschub bringen

Die Automobilindustrie ist eine der wichtigsten Exportbranchen der deutschen Wirtschaft. Die
Fahrzeuge deutscher Hersteller werden weltweit als innovativ, sicher und zuverlässig geschätzt.
Strategische Kooperation bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs mit den traditionell
gut aufgestellten deutschen Automobilzulieferern könnte einen erheblichen Innovationsschub
für die deutsche Automobilindustrie bewirken, der die gesamte Volkswirtschaft
stärkt.

4. Verringerung lokaler Emissionen (Umweltschutz):
Elektrofahrzeuge können die Städte von Schadstoffen, Feinstaub und Lärm
befreien und so die Lebensqualität steigern

Das Mikroklima der Innenstädte und Ballungsräume ist heute durch verkehrsbedingte Emissionen
von Abgasen, Feinstaub und Lärm stark beeinträchtigt. Sowohl der Bedarf nach
Maßnahmen zur Minderung von Lärm- und Feinstaubemissionen in solchen Ballungsräumen,
wie auch der zunehmende Wettbewerb von Gemeinden und Regionen als nachhaltige
Lebens- und Arbeitsräume, beschleunigen die Bereitschaft zu einer emissionsfreien Mobilität
im städtischen Raum. Elektrofahrzeuge stoßen lokal keine Schadstoffe aus und sind zudem
äußerst leise. Eine Elektrifizierung des gewerblichen Flotten- und Verteilerverkehrs (z.B.
Müllabfuhr, Stadtreinigung) bietet zusätzliches Potenzial, lokale Emissionen zu reduzieren.

5. Fahrzeuge in das Stromnetz integrieren:
Batteriefahrzeuge tragen zur Verbesserung der Effizienz der Netze bei und fördern
den Ausbau der erneuerbaren Energien

Die intelligente Nutzung der Batterien von Elektrofahrzeugen als Stromspeicher bietet die
Möglichkeit, die Gesamteffizienz der Stromversorgung zu erhöhen. Dies geschieht über eine
verbesserte Abnahme von Erzeugungsspitzen, Annäherung von Erzeugungs- und Lastkurven
sowie perspektivisch auch durch Bereitstellung von Regelenergie. Die Möglichkeit der
Speicherung in einer Vielzahl von Fahrzeugbatterien vermindert ungünstige Fluktuationseffekte
und wirkt sich so fördernd auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien im Gesamtsystem
aus. Durch eine künftige Netzintegration von Elektrofahrzeugen als Anbieter
von Regelenergie kann auch eine Erhöhung der Effizienz konventioneller Kraftwerke erreicht
werden, da diese weniger als bisher für Regelenergieleistung an- und abgefahren werden
müssen. Dies trägt zur Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger bei. Die damit verbundene
Reduzierung der Batterielebensdauer ist dem gegenüberzustellen.

6. Neue Mobilität:
Elektrofahrzeuge können ein Baustein für intelligente und multimodale
Mobilitätskonzepte der Zukunft sein

Die Formen heutiger Mobilität werden sich verändern. Sie werden vielfältiger, individueller
und besser an moderne Stadtbilder und fortschrittliche Mobilitätskonzepte angepasst werden.
Elektrofahrzeuge werden dazu beitragen, die Lebensqualität vor allem in Ballungsräumen
deutlich zu erhöhen. Nicht zuletzt werden die emotionalen Faktoren des Autofahrens
zur Akzeptanz der Elektromobilität beitragen.

Herausforderungen durch Elektromobilität

Die Nutzung der Potenziale der Elektromobilität ist mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, die ein branchenübergreifendes Handeln, die Einbeziehung neuer Akteure und neue Formen der Zusammenarbeit erfordern. Schwerpunkte sind vielfältige Themen in der Forschung und Entwicklung, bei der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen und der Marktvorbereitung und -einführung. Der komplexe Charakter von Elektromobilität und die strategische Bedeutung des Themas für den Standort Deutschland erfordern es, sich nicht nur auf einzelne Komponenten oder Teilbereiche zu beschränken, sondern die gesamte Wertschöpfungskette in die Gestaltung und Förderung des Leitmarktes Elektromobilität einzubeziehen. Dies beginnt bei den Materialien und Rohstoffen für Lithium-Ionen-Batterien und Elektromotoren, umfasst neue Komponenten für Elektroantriebe und reicht bis hin zum gesamten Energiemanagement. Neue Fahrzeugkonzepte sind ebenso notwendig wie die Modernisierung der Energieversorgungssysteme, der Aufbau neuer Infrastrukturen (z.B. Batterieladestationen) sowie die Entwicklung spezifischer Angebotsstrukturen und Geschäftsmodelle.
Zudem liegt eine der Herausforderungen darin, mögliche Beiträge der Elektromobilität zum intelligenten Management des Stromnetzes zu erschließen. Durch die Nutzung des Potenzials dieser Technologie kann der Ausbau des Anteils an erneuerbaren Energien im deutschen Strommix unterstützt werden (z. B. durch Ausgleich fluktuierender Windenergie).

Forschung und Entwicklung - Energiespeicher:

  • Elektromobilität erfordert leistungsfähige, sichere und bezahlbare Batteriesysteme

Forschung und Entwicklung - Fahrzeugtechnik:

  • Elektromobilität erfordert neue Konzepte für Fahrzeuge, Antriebe und Komponenten

Forschung und Entwicklung - Netzintegration:

  • Elektromobilität erfordert neue Lösungen für die Einbindung der Fahrzeuge in die Stromnetze

Rahmenbedingungen:

  • Aus- und Weiterbildung
  • Recyclingwirtschaft
  • Standardisierung und Normung
  • Ordnungsrecht

Märkte:

  • Marktvorbereitung (Geschäftsmodelle entwickeln)
  • Nutzer einbinden, Anwendungen diversifizieren
  • Markteinführung organisieren

Internationaler Vergleich:

  • Andere führende Industrienationen erarbeiten Strategien zur Elektromobilität

Ziele

Elektromobilität trägt zur Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele bei
1. Die Elektromobilität soll einen signifikanten Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele
leisten.
2. Durch die Nutzung regenerativer Quellen zur Deckung des Energiebedarfs von Elektrofahrzeugen
soll gleichzeitig ein Beitrag zur Umsetzung der Ausbauziele für erneuerbare
Energien und zur verbesserten Integration fluktuierender Erzeuger in die Netze
geleistet werden. Damit kann langfristig ein Beitrag zur Erhöhung der Versorgungssicherheit
geleistet werden.
3. Die Stromnetze in Deutschland sollen durch Nutzung moderner Informationstechnologien
und die Integration von Elektrofahrzeugen effizienter werden.
4. Der zusätzliche Bedarf an elektrischer Energie in diesem Sektor ist durch Strom aus
erneuerbaren Energien zu decken. Vorrangig sollte dafür der anderweitig nicht nutzbare
Strom aus fluktuierenden Erneuerbaren Energien im Rahmen des Lastmanagements
durch Elektromobilität genutzt werden. Für den darüber hinaus gehenden
Strombedarf für Elektromobilität sind weitere Ausbaupotentiale der Erneuerbaren
Energien zu erschließen.


Deutschland soll zum Leitmarkt für Elektromobilität werden
5. Die Führungsrolle der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie soll gesichert und
ausgebaut werden.
6. Die Möglichkeiten eines innovationsorientierten Beschaffungsmanagements des öffentlichen
Sektors sollen genutzt werden.
7. Durch den Aufbau von Produktionskapazitäten für Zell- und Batteriesysteme in
Deutschland und eine zugehörige Kreislaufwirtschaft soll die strategische Handlungsfähigkeit
der deutschen Industrie gesichert werden.
8. Die Etablierung neuer Geschäftsmodelle im Kontext der Elektromobilität soll Chancen
für mehr Wachstum durch neue Produkte und Dienstleistungen eröffnen.
9. Durch Unterstützung von Normung und Standardisierung (z.B. bei Steckern, Anschlussleistungen
oder Sicherheitsmaßnahmen) soll Elektromobilität international ermöglicht
und eine starke Positionierung der deutschen Industrie befördert werden.

Innovationen sind der Schlüssel zu Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit
10. Ziel ist es, Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich der Forschung möglichst eng zu
verzahnen. Die Vernetzung der Branchen Automobil, Energie und Informationstechnik
entlang der neuen Wertschöpfungsketten für die Elektromobilität wird dann einen Innovationsschub
zünden.
11. Zur Erreichung dieses Zieles soll die Forschung in allen Bereichen verstärkt werden,
Forschungsinfrastrukturen sollen miteinander vernetzt und ausgebaut und der Austausch
von Forschern aus Industrie und Wissenschaft gefördert werden.
12. Es gilt auch, Spitzenkompetenzen und Innovationsdynamik im Bereich der
Elektromobilität langfristig zu sichern. Hierzu wird eine Ausbildungsinitiative für den
technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs gestartet.

Neue Mobilität
13. Mit der Elektromobilität wird die Strategie „weg vom Öl“ weiter umgesetzt.
14. Mit der Elektromobilität soll auch einer neuen Mobilitätskultur und einer modernen
Stadt- und Raumplanung zum Durchbruch verholfen werden.
15. Die Markteinführung von Elektrofahrzeugen, insbesondere auch im Nahverkehr, soll
beschleunigt werden: Die Bundesregierung strebt das ambitionierte Ziel an, dass bis
2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Im Jahr 2030
können es über fünf Millionen Fahrzeuge sein. Bis 2050 kann der Verkehr in Städten
überwiegend ohne fossile Brennstoffe auskommen. Dazu gehört auch die Schaffung
einer bedarfsgerechten Infrastruktur für das Laden der Fahrzeuge. Die Bundesregierung
wird dies durch geeignete Rahmenbedingungen unterstützen.
16. Neben dem Individualverkehr werden auch Konzepte zur Einführung der Elektromobilität
bei Nutzfahrzeugen (z.B. innerstädtischer Lieferverkehr, öffentlicher Nahverkehr)
und bei Zweirädern unterstützt.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen schaffen
17. Die Aufgeschlossenheit der Gesellschaft gegenüber den sich abzeichnenden Veränderungen
ist eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung der klima- und wirtschaftspolitischen
Ziele.
18. Transparenz und Information über die Umsetzung des Entwicklungsplans und ein breiter
Dialog sind daher Ziele der Bundesregierung. Die Bewertung von Chancen, Herausforderungen
und Zielen soll der Entwicklung laufend angepasst werden.
19. Die Akzeptanz und Marktentwicklung der Elektromobilität soll durch einen geeigneten
regulatorischen Rahmen und zu prüfende Anreizsysteme unterstützt werden.